AUFNAHMEN "Neues Album" TEIL 1 - Berlin, Okt./Nov. 2009



Andere Bands nehmen Drogen, nehmen zu oder nehmen sich gegenseitig von hinten. Wir nehmen Alben auf. Ja, es ist wahr. Und ja, es ist schon wieder so weit. Wir müssen einfach mal wieder ein paar grandiose Songs aus unseren Hirnwindungen schieben, damit wir Platz für anderen Kram bekommen. Das bedeutet, dass wir ab sofort im Studio rumrumoren, um ein neues Album (gebräuchliche Synonyme sind auch Longplayer, Langrille, CD, Tune oder Platte) voller zahlreicher neuer Hits (gebräuchliche Synonyme sind auch Evergreens, Chartstürmer, Gassenhauer, Bestseller, Smasher, Renner, Publikumserfolge, Treffer, Knaller) aufzunehmen.
Nachdem wir letztes Mal für sechs Wochen nach Köln ausgewandert sind, haben wir uns wieder für Berlin entschieden. Das ist äußerst praktisch, da wir so nebenher weiter zu Schule gehen können, um unseren 9. Klasse Abschluss nachzuholen, keiner die neuen Knight Rider Folgen verpassen muss und wir unsere Pilzsammelleidenschaft im Berliner Umland genießen können.
Was alles so in einem Tonstudio passieren kann und was passieren sollte, versuchen wir so gut wie möglich zu dokumentieren. Wie immer äußerst professionell und super objektiv.


Tag 1 – Drums
Ein Erlebnisbericht von Hänka


Hallo geehrte Jünger,

Es ist langsam Herbst in der Stadt, mein Fahrrad hat `nen Platten und die Hälfte der lieben Verwandtschaft ist nicht aus dem Karibikurlaub zurückgekehrt - eigentlich `ne gute Zeit mal wieder eine Platte aufzunehmen.
Das immer öfter vorhandene nasskalte Wetter und die schwindenden Möglichkeiten Sonnenbrillen zu tragen, tausche ich daher gerne gegen zugequalmte Abhörräume, Neonlicht und stundenlanges Spielen der immer wieder gleichen Songs.
Gemeinsam haben wir uns also ein süßes kleines Studio in Berlins feinster Gegend gemietet und versuchen nun gemeinsam mit Kinski (dem Mann an den Knöpfen, auch Produzent genannt oder wie wir zu sagen pflegen: Bückstück) die stakeouteigene kreative Inkontinenz in geordnete Bahnen zu bringen.
Wir haben uns diesmal dazu entschlossen, in mehreren Schüben immer nur einen Teil der Songs nacheinander aufzunehmen - im ersten Rutsch nun, muss ich mich erstmal ganzen acht Nummern stellen und zeigen, was olle Hänka noch so auf`m Kasten und in den Beinen hat.
Los geht eigentlich wie immer beim Songaufnehmen mit dem Aufbau des ganzen Equipments hier vor Ort. Alles aufs beste poliert, mit neuen Fellen bespannt und einem Hauch guter Laune wird das Drumset mit den benötigten Mikrofonen aufgebaut.
Da kann man schonmal ins Schwitzen kommen und an eine Pause denken. Nicht so der Hänka!
Ich fahre stattdessen lieber mal eben nach Hause und hole dafür den vergessenen Rest an Trommeln und Stimmschlüsseln. Was man nicht im Kopf hat...
Immerhin lag das Zeug immernoch am selben Fleck wie drei Stunden vorher - Glück gehabt!
Also der richtig zur Sache ging es eigentlich erst nach dem Aufbau und der Suchen nach dem perfekten Sound: Jetzt kamen endlich die neuen Songs dran!
Nochmal kurz reingehört, taktische Manöverkritik von Kinski und gleich wie wild drauf losgedroschen... Zum Glück lief das Band (eigentlich ist es ja die Festplatte) noch nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen.
Lange rede kurzer Sinn, am ersten Tag habe ich dann doch noch sage und schreibe zwei Songs ins Mischpult gezimmert und für die Ewigkeit auf die Festplatte gebannt.
Klingt erstmal schwach ist aber das Ergebnis eines guten 7 3/4 Dutzend Tages, weil der Rest ja für den Aufbau und Soundcheck draufging.
Völlig verschwitzt und fertig mit den Nerven lasse ich mich auf Kinskis warmen Schenkeln nieder und frage ihn, wie ich denn so war...

Bild 1: Immer in Action, immer volle Pulle, immer ON - Hänka
Bild 2: The Sound of Ofenkacheln
Bild 3: Kinski - Produzent, Tüftler, Seelchen
Bild 4: Ausblick Norden vom Studio aus gesehen










Tag 2 – Still drums
Ein weiterer Erlebnisbericht von Hänka


Hallo und herzlich Willkommen zu einem bunten Strauß voller Stakeout-Studio-Indiskretionen.
Tag Nummero Zwo steht vor der Tür und pünktlich um 10.00 geht es los.
Zu Beginn wird erstmal gequatscht und der neueste Schund von Youtube, GALA und Co mit Kinski "besprochen", das kennt wohl jeder...
Ein großer Soundcheck entfällt, weil das Drumset und die Mikros nicht weiter verstellt wurden. Lediglich das Feintuning von Song zu Song ist nun gefragt, damit jedes Lied auch mit entsprechende Sounds am Schlagzeug umgesetzt wird.
Wir klären also ob Passagen groß und gewaltig oder z.B. sumpfig und düster klingen sollen.
Da man im Studio immer deutlich genauer als live auf der Bühne arbeiten kann, packe ich diese Gelegenheit am Schopf und spiele von einigen Songs direkt mal zwei völlig verschiedene Versionen ein.
Super Sache!
Bei einem anderen Song (Arbeitstitel: Nicht Okay) wird mir vor lauter Flow und Reggaenis (ja das Wort gibt es wirklich) beim Aufnehmen direkt warm ums Herz und ich wünsche mich zu meinen Verwandten in die Karibik oder zumindest einen der Seeed-Frontmänner als Gastsänger!
Später gab’s dann noch hohen Besuch: Man könnte auch sagen, der Stakeout-Qualitätsmanager in Gestalt von Thomas M. hatte sich angekündigt und wollte mal kurz in das reinhören, was sein Lieblingsdrummer bisher so geschafft hat.
Nachdem wir uns gemeinsam alle sechs fertigen Songs angehört haben, musste Thomas kurz müde lächeln... Ihm hat es wohl gefallen.
Bis Morgen.

Bild 1: Thomas schleppt sich trotz eines gebrochenen Fußes ins Studio und gratuliert Hänka zum bisher Erreichten
Bild 2: Sören kam auch mal kurz vorbei - doch leider nur, um nach seinen am Vortag vergessenen Erotikzeitschriften zu suchen
Bild 3: Ausblick Osten vom Studio aus gesehen









Tag 3 – Still still drums
Ein weiterer Erlebnisbericht von Hänka


Tach auch,
nun bin ich also schon den dritten Tag im Studio und habe noch ganze zwei Nummern vor mir, die eingespielt werden wollen.
Wie schon zu "Wes Kind..."- und "Meet The Cut The"-Zeiten werden wir auch bei dieser Platte bei jedem Song die Instrumente einzeln und nacheinander aufnehmen.
Dabei geht dann unter Umständen und je nach Geschmack des Hörers etwas vom Beatlesequem Bandgefühl verloren, jedoch hat man eben den Vorteil, dass man mehr experimentieren kann und natürlich eine freiere Zeiteinteilung hat (und mal Hand aufs Herz: Bands, die behaupten sie spielen jeden Song zusammen live ein sind Lügner! Macht bei den technischen Möglichkeiten heute keiner mehr. Da bin ich sicher.)
Ich als Drummer bin aus rein praktischen Gründen immer zuerst dran (man stelle sich nur mal vor, es würde zuerst ins Leere gesungen und dann erst alle Instrumente aufgenommen werden – was für ein riesen Quatsch) und habe insgesamt mit den heutigen zwei Songs ganze acht Lieder vom Schlagzeuggrundgerüst her aufgenommen. Und das zu 99-prozentiger Perfektion. Die anderen drei warmen Brüder können also auch endlich loslegen.
Mein Fazit lautet demnach:
Studiozeit = Leistungszeit? JA
Jeder liefert jedem Qualität? JA

Bild 1: Hier seht ihr unsere rechte und linke Hand Tom (a.k.a. Manager, Soundmann, Mercherin, Finanzgenie, Koch), wie er sich wertvolle Tipps und auch den einen oder anderen Trick aus der bunten, weiten Welt der Frauen holt.
Bild 2: Das ist unser Abhör- und Regieraum, hier muss Kinski sich den von uns gespielten Schund anhören und gleichzeitig interessiert tun.
Kleines Detail am Rande: In dem Rucksack am Tischbein hatte ich 5 Kilo geräucherten Aal, gute Laune und das Manifest verstaut.
Bild 3: Stakeout Fuhrpark + Eingang Studio







Tag 4 und 5 – Bass

Ein Erlebnisbericht von Daniel


Tag vier und fünf der Stakeoutschen Studiozeit bricht an und das heißt: Auftritt Bassmaschine Daniel Ludewig. Eigentlich habe ich Nachtdienst in meiner Irrenanstalt, aber schleppe mich trotzdem augenringend ins Studio, um aus einem meiner 14 Bässe den optimalen Rocksound herauszukitzeln.
Kinski, der freundliche Mann hinter den Reglern selbst Bassist und Freizeitnudist, ist begeistert. Besonders von meinem Unikat namens Jolana. Eine Meisterleistung tschechischer Bassbaukunst. Und wohl nirgendwo auf der Welt mehr erhältlich.
Ich rocke also wie gewohnt tight, aber gleichzeitig auch irgendwie geschmeidig los. Binnen weniger Stunden sind ganze sechs Songs ins Pult geschrubbelt. Hier und da noch was geschnibbelt und noch mal in einer alternativen Variante probiert und schon stehen da drei Viertel der Hits unserer ersten Session. Das nenn ich mal Maßarbeit.
Am  nächsten muss ich also nicht ganz so früh nach der Nachtschicht aufstehen, da zur Komplettierung der vorerst acht Songs nach Adam Riese nur noch zwei fehlen. Das spiele ich ja quasi auf einem Bein hüpfend mit Augen zu und Ohren ab ein. Und genauso geschieht es auch.
Zwischendurch bleibt sogar noch viel Zeit, um mit Kinski Lach- und Sachgeschichten auszutauschen, einen romantischen Spaziergang zu machen und das Studioklo zu schrubben. Effektiver geht es nun wirklich kaum.
Blöd nur, dass keiner meiner Kollegen dabei war, um diesem Naturwunder beizuwohnen. Dementsprechend sind leider auch keine Fotos geschossen worden. Banausen.
Na, dann beim nächsten Schwung eben.
Over and out.



Tag 6 – Gitarren
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Nachdem also der Herr Trommler und der Herr Bass ihre stümperhaften Takes hinterlassen haben, versucht nun die Gitarrenfraktion aus diesen Bruchstücken echte Hits zu machen. Kein leichtes Unterfangen, trotzdem muss es irgendwie gelingen. Soll ja am Ende wieder einmal Mob und Feuilleton begeistern.
Gut gelaunt und frohen Mutes machen wir uns, also Sören und icke, direkt ans Werk. Das bedeutet in unserem Falle erstmal „den richtigen Klang finden“. Da wir ja mittlerweile eine echte Größe im Popgeschäft sind und locker an den Status von internationalen Bands wie Lynryd Skynryd, Scritti Politti oder U2 heranreichen, gönnen wir uns erstmal 5 Stunden reines „Soundgechecke“. Welche Gitarre klingt mit welchem Amp am besten, welche Gitarre ist eher oll, welche cool, welche macht den extra speziellen Krach, welche eher die sanften, verschmusten Töne? Solche Fragen müssen geklärt werden, bevor man sich überhaupt an den ersten Song heranwagt.
Erst gegen 17.00 Uhr beginnt Sören dementsprechend mit Lied 1 auf der Liste und stellt sich gar nicht mal so dumm an. „Es rockt“ heißt es aus drei noch leicht vom Alkohol geölten Kehlen.
Ich für meinen Teil bin zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich mit meinem Ritual des „Warm-Werdens“ beschäftigt. Ich muss in einer für mich neuen Räumlichkeit erstmal 10 Stunden rumhängen und wenig bis gar nichts tun, bevor ich mein inneres Shi und dementsprechend meine volle Einsatzbereitschaft und Power finde.
Kurz vor Feierabend bequeme ich mich dann doch noch dazu, eine halbe Strophe ins Pult zu rotzen. Wird dann am nächsten Tag zwar gleich wieder verworfen (wie ich grad erfuhr), zu diesem Zeitpunkt fühle mich allerdings klar auf dem Höhepunkt meines kreativen Schaffens. Ich sage Dinge wie „wuppiduu“ und „geilomat“ oder auch „starke Sache“ und fahre selig grinsend nach Hause.

Bild 1: Sören befielt, Produzent arbeitet
Bild 2: Thomas schielt, Produzent arbeitet
Bild 3: Sören freut sich sehr stark, dass er gleich einspielen darf
Bild 4: wie gesagt... warm werden und so...








Tag 7 – Gitarren
Ein Erlebnisbericht von Sören


Da wir nach langer und mühsamer Kleinarbeit den richtigen Gitarrensound gefunden haben, kann es nun auch schon wieder frisch ans Werk gehen.
Pünktlich um 12h, klassische Rock´n´Roll Zeit (wenn die anderen schon wieder Mittagspause machen), begebe ich mich ins Studio. Nach nur einem halben Liter Kaffee ist die Konzentration auf ihrem Höhepunkt und es kann in die Saiten gehauen werden.
Durch das vom Koffein verursachte Zittern in der rechten Hand hab ich mich dazu entschieden, erstmal die schnelleren Sachen einzuspielen, von denen es auf dem neuen Album erstaunlich viel zu hören geben wird. Punkrock rulez halt immer noch.
Und trotz meines erbärmlichen Gesamtzustandes: es klappt wie am Schnürchen!
Song um Song wird nun quasi wie von einem Gitarrenroboter ins Pult gerockt. Lediglich unterbrochen von einigen Zigaretten-, Kaffeepausen und Tratschpausen.
Ich bin immer noch selbst erstaunt, wie gut mir alles von der Hand geht (und ja, das ist genauso gemeint wie es da steht!). Sollte das Kneten zahlreicher Gegenstände in jüngster Vergangenheit, mir tatsächlich Vorteile verschafft haben?
Nachdem wir für den heutigen Tag fast fertig sind, kommt uns der Hänka beglücken, um sich anzuhören, wie Sören a.k.a. der Rockroboter, die bereits vorhandenen Tracks mit seiner Gitarrenfertigkeit versüßt hat. Er ist sichtlich beeindruckt und macht erstmal einen Purzelbaum.
Danach driften wir allesamt ab, weshalb es heißt: Genug Gitarrensaiten malträtiert für heute. Freuen wir uns alle auf den morgigen Tag, wenn Thomas nach seinem Ponyhof-Besuch wieder ins (oder zum) Team stoßen wird.

Ahoi alle miteinander…

Bild 1: Meine Finger sind so schnell, dass die Kamera gar nicht hinterherkommt
Bild 2: Meine Belohnungszigarette, wenn ein neuer Take im Kasten war
Bild 3: Meine Finger sind schon wieder so schnell, dass die Kamera gar nicht hinterherkommt






Tag 8 –  immer noch Gitarren
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Nachdem ich Sören gestern alleine ließ, kehre ich heute wie einst Gandalf bei „Herr der Ringe“ zum Wendepunkt der Gezeiten zurück. Frisch gestärkt von einer Ein-Tages-Vitaminkur mit Intim-Massage bin ich bereit, noch mehr Krach auf die Festplatte zu zimmern.
Dank Sörens Vorarbeit kann man schon ganz gut erahnen, dass da echt brauchbare Hits entstehen. Fehlt zwar immer noch jede Menge, aber man kann die einzelnen Rockgranaten schon unterscheiden.
Der besseren Übersichtlichkeit halber haben wir auch diesmal eine so genannte Erinnerungsliste gebastelt. Da steht dann drauf was wie schon eingespielt wurde, was noch fehlt oder was noch doof ist. Diesmal waren wir sogar so kreativ, dass jedes STAKEOUT Mitglied seine Spalte mit einem Extra-Logo ausgefüllt hat. Irre oder? Welche andere Band kann das bitte von sich behaupten?
Heute spüre ich jedenfalls ganz konkret wie die Macht mit mir ist und dementsprechend gelingt auch fast alles direkt im 10. Anlauf. Ich glaube unser Produzent Kinski hat noch nie so viel geballte Genie-Power an den Instrumenten erlebt wie in jenen kalten Oktobertagen. Fröhlich grinsend danke ich ihm für seine Geduld mit einem Faustschlag ins Gesicht. Siehe Foto 1.
Neben dem Musikmachen passieren aber noch andere interessante Alltagsgeschichten. Z.B. gibt es direkt in Studionähe eine entlaufene Katze, die jeden Tag vorbeischaut, um sich Futter abzuholen. Allerdings ist diese so verstört, dass sie, sobald man sie auch nur anschaut, sofort wieder das Weite sucht. Unser Plan ist es jetzt, die Katze mit einem Teller feinster Speisen soweit ins Studio zu locken, dass wir sie fangen und dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben können. Klingt spannend? Ist es auch.
Zum Mittagbrot gab es heut übrigens Nudeln.
Ich war einmal, Sören viermal auf Toilette.
Unsere neue Lieblingslektüre heißt „Alt und geil!“

Bild 1: Thomas vs. Kinski
Bild 2: Sören hoch konzentriert
Bild 3: Die "Hilf-dem-Gedächtnis-auf-die-Sprünge"-Liste
Bild 4: ich hoch konzentriert und so tuend als ob ich einen Geistesblitz hätte







Tag 9 –  noch mehr Gitarren
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Mittlerweile haben wir trotz Verstecke spielen, Kreuzworträtsel lösen und YouTube-Stöbereien schon sehr sehr viel Gitarren eingespielt. Wir steuern langsam auf die Feinheiten zu. Hier und da wird noch mal was ausgetauscht, weil es doch nicht so gut klang wie beim ersten Mal hören und außerdem werden dritte und vierte Gitarrenspuren eingespielt, um spezielle Parts noch mehr hervorzuheben oder „dick zu machen“ wie der Profi sagt.
Darin sind Sören und ich jedenfalls sehr gut. Liegt wohl darin, dass wir so dicke Unterarme und Gesichter haben.
Das Highlight heute ist auf jeden Fall das Feedback-Suchen. Ein Feedback ist dieses unsäglich quietschende und vor allem in den Ohren schmerzende Geräusch, das entsteht, wenn man mit der Gitarre direkt vor dem aufgerissenen, verzerrten Verstärker steht. Auf Platte macht sich so was manchmal ganz gut im Hintergrund, um nem Song eine spezielle Atmosphäre zu geben. Blöd ist das Ganze nur für den, der das Feedback erzeugen muss. Der muss nämlich in den Aufnahmeraum, den Verstärker auf höchste Stufe stellen und sich direkt mit der Gitarre davor stellen, um eben diese fiependen Geräusche zu erzeugen. Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Damit aber nicht einer alleine leiden muss, wurden alle, auch der Produzent, einmal in den Aufnahmeraum geschickt, um ein paar tollte Feedbacks hervorzukitzeln. Was für ein Spaß.
Das wurde dann nur noch überboten als es darum ging, die ca. 50 erzeugten Feedbacks abzuhören und die besten herauszusuchen. Irgendwann hört man nur noch Rauschen im Kopf. An diesem Abend hätte man locker neben uns ne Kanone abfeuern können. Das hätte keinen mehr gejuckt.
Zur Aufmunterung hat uns Kinski dafür noch mal die schlechteste Band der Welt vorgespielt. „The Shaggs“. Sowas habt ihr noch nicht gehört liebe Mitbürger. Dabei handelt es sich um vier Ladies, die wirklich absolut nichts an den Instrumenten geschweige denn singen können. Da sie aber unbedingt mal eine Platte aufnehmen wollten (so wie andere Kinder in den Zoo oder ein Eis haben wollen), hat ihnen das ihr wohlhabender Vater ermöglicht. Das Ergebnis ist das unhörbare Album „Philosophy Of The World“, das mittlerweile echten Kultstatus genießt. Verkehrte Welt.

Bild 1: künstlerisch hoch anspruchsvoll, icke im Spiegelschrank gefangen
Bild 2: Sören ist fröhlich
Bild 3: unser neues Hotelzimmerschild
Bild 4: Sören so am Rocken und erklären lassen, man beachte seine lila-farbenen Schuhe!







Tag 10 – Gitarren-Finale Teil 1

Ein Erlebnisbericht von Thomas


Großes Finale Teil 1. Heute schließen wir die Gitarrenaufnahmen für die ersten acht Songs ab. Noch einmal tun wir so, als würden wir alles geben und spielen uns die Sehnen zündig. Außerdem gehen wir noch mal unsere Liste durch und gucken, dass wir auch nichts vergessen haben. Ist natürlich der Fall, also heißt es, auch die fehlenden Gitarrenparts mit daseienden (was ist das Gegenteil von fehlenden?) Gitarrenparts zu ersetzen. Es sieht gut aus. Wir können heute in Ruhe eine kleine Wanderung durch die Gegend machen, um uns anschließend mit leckerem Fast Food zur Feier des Tages einzudecken. Allerdings fällt mir zum wiederholten Male auf, dass ich die Frage des Nudelverkäufers „Auch scharfe Soße?“ endlich mal verneinen sollte. Ein paar Tränen später ist aber alles wieder gut.
Übrigens ist es Kinski, unserem Produzenten, in einer verrückten Action-Aktion gelungen, die streunende Katze einzufangen. Hat zwar ca. 2 Stunden und mehrere Kratzer gebraucht, aber dann war sie im Transportbehälter in Richtung Besitzer unterwegs. And now, guess what: Keine 15 Minuten später nachdem sie abgeholt wurde, tauchte sie wieder miauend vor der Studiotür auf. Wir fragen uns ernsthaft, was im Oberstübchen der Besitzer nicht ganz richtig ist.
Egal, das heutige Highlight des Tages gibt´s mal wieder in Form von YouTube Videos. Wir sehen uns Dragonforce Live Clips an und schauen gebannt dem schnellsten Gitarristen, Michael Angelo Batio, bei der Arbeit zu. Beeindruckend. Aber wir sind anders cool.

Bild 1: Ich bin entzückt oder so.
Bild 2: Sören ist skeptisch
Bild 3: Ich rocke in Ekstase
Bild 4: Sören ist noch skeptischer






Tag 11 – Vocals Check
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Nachdem also 8 Tracks musikalisch so gut wie fertig sind (mal abgesehen von den Streichern, Bläsern, Blaskapellen, Explosionen, Triangeln und Klanghölzern die noch fehlen), dachten wir uns, dass ich doch so langsam mal gesangstechnisch zu Werke gehen könnte.
Dementsprechend habe ich das Wochenende einfach durchgefeiert, um die entsprechende Singstimme zu erreichen. Im Ansatz auf jeden Fall ein guter Plan.
Natürlich hab ich mich ein wenig verschätzt, was die Feiermenge betrifft. Meine Stimme ist also ein Tick zu brüchig, verletzt und tief. Aber nach 3 Litern Tee mit Honig und 2 Stunden Eingesinge kann es mit dem Mikrofon-Soundcheck losgehen. Ja, auch Gesangsmikro ist nicht gleich Gesangsmikro. Ganze fünf stehen zur Auswahl, in die ich jedes Mal voller Inbrunst hineinintoniere, bis irgendwann der Herr Produzent sagt „Das isses!“
Bevor ich also überhaupt den ersten Song für Nachwelt festhalte, hab ich mich schon halb schwindelig gebrüllt.
Meinen Zustand nutzen wir aus diesem Grunde gleich dazu, eine Ballade einzusingen. Und siehe da: Es klappt hervorragend. Wie ein volltrunkener Engel singe ich Worte und Sätze voller Leidenschaft. Angeblich haben verschiedene Zuhörer bei den Aufnahmen geweint. Will aber natürlich im Nachhinein keiner zugeben.
Deshalb gibt´s auch nur zwei tolle Fotos von mir.

Bild 1: Ich so am Idee haben
Bild 2: Entspannte Grundhaltung (ja, die Hose ist auf. Aber nicht zum Selbstzweck.)




Tag 12 – Drums 2.0
Ein Erlebnisbericht von Hänka


An alle da Draußen, die dies hier lesen oder sich vorlesen lassen:
Es geht weiter mit dem zweiten Aufnahmerutsch zum neuen Stakeout-Album mit dem Arbeitstitel „Der Konflikt zwischen Mensch und Maschine“.
Wer gut aufgepasst hat, hat sicher schon mitbekommen, dass wir bei dieser Platte in zwei Schüben unsere Songs aufnehmen wollten. Vor allem, weil bei einigen von uns im Zuge der Weltwirtschaftskrise zeitaufwendige und teure Hobbys weggebrochen sind, wir also letztendlich etwas mehr Zeit hatten und weil einige der Songs erst noch geschrieben werden mussten.
So konnten wir immer mal wieder zwischen den Studioterminen beim fleißigen Thomas anrufen und nachfragen, ob es wieder etwas Neues zu proben gibt.
Und es gab.
Somit bleib uns allen die voll peinliche Situation erspart, dass man beim zweiten Studiobesuch noch mal genau dieselben Songs aufnehmen muss.
Frisch ausgeschlafen und mit einem Kofferraum voller Trommeln, machte ich mich also abermals auf nach Thälmann-Park-City um sieben bis acht neue Lieder auf meinem Drumset zum Besten zu geben...
Nach dem obligatorischen Aufbau, der Mikrofonierung und dem Soundcheck (was bei aller Routine immer zirka drei Stunden dauert), hörten wir uns zuerst die vorher aufgenommenen Demos der Songs an und suchten nach den passenden Sounds am Drumset, veränderten noch ein paar Sachen an der Dynamik oder an den Beats und wurschtelten uns so Stück für Stück durch die Songs.
Irgendwie ist diesmal auch bei meiner Aufnahmesession alles etwas "entspannter"  - jedenfalls schaffe ich auch heute lediglich dreieinhalb Nummern am ersten Tag.
Bei unserem Kölnaufenthalt mit angehängten MeetTheCutThe-Studio-Aufnahme-Sessions vor zwei Jahren, habe ich glatt 16 Songs in drei Tagen aufgenommen, wenn ich mich nicht irre! Werde ich also altersschlapp? Oder übertrage ich meine gechillte Lebensweise auch auf die Studioarbeit? Oder bin ich Lars-Ulrich-like einfach nur professioneller, genauer und größenwahnsinniger geworden?
Doch jetzt ist erstmal Schluss mit selbst aufgebautem Leistungsdruck und Größenvergleichen - Musik ist kein Sport und entscheidend ist, was hinten rauskommt, oder?
In diesem Sinne bis Morgen!

Bild 1: David gegen Goliath
Bild 2: Verängstigt, verstört, verliebt?
Bild 3: Songliste mit dem 2. Teil der Songs





Tag 13 – Drums 2.1
Ein Erlebnisbericht von H.Ä.N.K.A.

Zweiter Rutsch, zweiter Tag:
Danke der Nachfrage - Ja, ich habe gut geschlafen!
Danach ging’s natürlich sofort zu unserem guten Kinski ins kleine Kabuff, um noch das eine oder andere Nümmerchen in purer Handarbeit aufzunehmen.
Das heißt dann konkret: Ich habe die Songs getrommelt (so gut es eben ging) und Kinski musste eben alles mit Nullen und Einsen direkt per Hand in seinen Mac eingeben.
Tja, das ist die Last, die man zu tragen hat, wenn man ein richtiges Rockalbum aufnehmen will.
Und bei einem echten Rockalbum (das weiß je wohl jeder) ist eben alles Handarbeit, auch das Aufnehmen mit dem Computer.
Eigentlich war heute eher business as usual angesagt, also keine längste Single der Welt aufgenommen und auch nicht den wichtigsten Song des Jahres eingespielt oder so.
Stakeout kann eben alles, nicht immer nur super und total crazy, sondern auch mal ganz wundarbar erfrischend normal - das macht uns ja auch so sympathisch an der Basis bei den Leuten da draußen. Den Arbeitstitel "Das beste Album des Universums" werden wir aus diesem Grund wohl auch wieder verwerfen.
Für `nen kurzen Moment drohte die Stimmung allerdings zu kippen, da wollte Kinski doch tatsächlich seine eigene Meinung äußern - im Song mit dem Arbeitstitel "Sabrina, leider nein" wollte er doch unbedingt einen anderen Snaresound durchsetzen - jedoch konnte ich ihn davon überzeugen, dass das jetzt eine ganz schlechte Idee ist, mit der eigenen Meinung und so.
Na ja, wir haben dann doch seinen Lieblings-Snaresound genommen und ich habe mit Scherzen versucht, die peinliche Situation zu überspielen. Man kann ja nicht immer gewinnen.
Morgen ist der letzte Tag für mich, da bleiben dann nur noch ein ominöser "Wettersong" und die inoffizielle Mario-Barth-Hass-Hymne einzuspielen. Ick freu mir so!

Bild 1: meine berühmt berüchtigten Stielaugen
Bild 2: mein berühmt berüchtigter Wutausbruchs-Move
Bild 3: mein berühmt berüchtigter Dampfhammer-Sound; so entsteht der. Da kommt maximal noch ein bisschen Hall drauf und schon rumst es.






Tag 14 – A little bit of drums

Ein Erlebnisbericht von Herr Wegner


Hallo und herzlichst Willkommen zum letzten Studiotagbucherlebnissbericht von mir für mich und auch euch.
Das es ein kurzer Tag werden würde, war ja irgendwie klar - es waren ja nur noch zwei Songs zum Einspielen übrig für das Album, das auch gut und gerne "Feuer, Wasser, Sturm" heißen könnte.
Daher ging’s erstmal los mit Quatschen, ziemlich persönlichem Zeugs und so.
Kinski der alte Haudegen konnte mir nämlich eine ganze Menge über die Beziehungen zwischen Männer und Frauen erzählen - stundenlang.
Ich glaube der Typ hat nicht nur gute Ohren und ein Händchen für Musik und Sounds, sondern ist auch noch ganz gut im Bett.
Zu der Einsicht bin ich jedenfalls gekommen, als er mir dieses Video hier vorgespielt hat.
Er meinte, so ungefähr kann man sich das bei ihm Vorstellen, wenn es in der Kinski-Kiste so richtig anfängt zu rappeln… Mensch, davon hätte ich auch gerne ein Scheibchen abbekommen - vielleicht klappt’s ja, wenn ich mal groß bin.
Nach dem ganzen Gerede, wollte ich direkt das Schlagzeug wieder abbauen und ins Auto packen, da meinte olle Kinski doch direkt und ohne jede Umschweife zu mir, ich hätte noch zwei Songs offen... Da hatte er natürlich Recht.
Das Wetterlied und den „NichtLustigSong“ hatte ich mir extra für das Ende aufgehoben, weil sie zum einen total frisch und neu und zum anderen doch etwas flotter und schwieriger für mich zu spielen waren. Aber ich liebe ja bekanntlich die Herausforderung. Demnächst werde ich mir wahrscheinlich ein Bein amputieren lassen und auf den Mount Everest steigen…
Alle anderen Songs waren im Kasten und für diese zwei Sternchenaufgabennummern konnte ich mir dann eben etwas mehr Zeit lassen.
Augen zu und durch getreu dem Motte "Let The Rhythm hit`em", habe ich mich dann also auch hier noch so durchgemogelt und mein "Kreuzchen" auf der Songliste machen können.
Just als ich dies tat, kam auch schon Daniel L., unsere Basssau, reingeschneit und
fing an, sein Werk zu verrichten. Da ich ja nichts mehr zu tun hatte, betätigte ich mich ungewohnter Weise als Fotograf und habe ein paar schöne Eindrücke festhalten können. Fette Props to me.
Ich geh jetzt erstmal los und kaufe mir einen Porsche als Belohnung!
Tschüssing, bis zum nächsten Tagebuch.

Bild 1: Fratze mit Daniel
Bild 2: Daniel so am Vorbereiten
Bild 3: Daniel spielt ein bisschen genüsslich






Tag 15 – Bass, Bass, wir brauchen Bass
Ein Erlebnisbericht von Daniel


Nachdem nach der ersten Session leider ein Kobold alle bislang eingedremmelten Bässe entwendet hat, ging es für mich jetzt noch mal darum, die komplette Platte im Studio einzuspielen. Also im Klartext war das die Gelegenheit, mir selbst zu beweisen, dass ich noch besser bin, als ich es bislang von mir dachte.
Die Wiedersehensfreude von Kinski war natürlich enorm groß, als er mich endlich wieder durch die Studiotür spazieren sah. Der alte Sound aus der ersten Session war schnell reproduziert, ich hatte mir alle relevanten Einstellungen in meinem Tagebuch notiert und wurde sogar noch etwas modifiziert für den oberaffentittengeilsten Rocksound. Leute, ihr werdet staunen. Müssen!
Ich widmete mich also sofort den ersten Nümmerchen und so waren am Ende des Tages schon irgendwas zwischen 4 und 74 der neuen Songs für unser kommendes Album mit dem Arbeitstitel „Leute im Abseits“ fertig gestellt.
Zum Abschluss des Tages besuchte uns sogar noch Thomas, der uns seine neu geölte Liebesmaschine vorführte; Kinski und ich durften sogar mal anfassen.
Danach ging es dann aber auch flux ins Bett, damit ich am nächsten Tag auch ausgeschlafen für das Finale Grande bin....

Bild 1: Daniel hält eine leckere Speise zwischen seinen Backen versteckt
Bild 2: Kennt jemand noch Geordi LaForge von Raumschiff Enterprise?
Bild 3: Daniel beim Kackern erwischt
Bild 4: Eine Inspirationsquelle







Tag 16 – Save The Bass For Last
Ein Erlebnisbericht von Daniel.


.....und so war es dann auch. Froh, munter und ein bisschen übermütig stand ich an Tag 2 der zweiten Bassrunde schon um 6:30 Uhr vor der Studiotür. Leider waren Kinski und ich erst um 11:00 verabredet und so schrieb ich noch in der mir verbleibenden Zeit in der klirrenden Kälte einen Brief an meine alte Grundschullehrerin.
Als Kinski dann auch endlich zu mir stieß, musste er direkt ein bisschen weinen. Das war wohl die blanke Freude, die sich da Ausdruck verlieh. Weiter ging es rasch im Text und so flogen uns die Hitperlen nur so um die Ohren – spielten sich quasi von selbst ein. Schwierigkeiten bereiteten einzig 2 Songs, die nur Stunden vor dem Studioaufenthalt fertig gestellt und bis zum heutigen Tage nicht ausarrangiert worden waren. Das bedeutete noch mal Konzentration für mich.
Kinski stand mir mit kreativem Input zur Seite und so wurden auch aus den beiden Gurken echte Gassenhauer. Zwischendurch wurde viel gegessen, ein wenig gelacht und sogar der eine oder andere Blick ausgetauscht, bevor am Abend wie von Geisterhand – hoppla – alle 387 Nummern eingespielt und wieder auf 16 - 17 Nummern runterkomprimiert waren. Und davon sind mindestens 16 - 17 Hit-Singles. Ich denke, wir sollten das Album "The Singles Collection" nennen.

Bild 1: Dunkel war´s so allein vor der Studiotür
Bild 2: Sören´s Begeisterung ob des genialen Bassspiels
Bild 3: Neben Prügelattacken verdient Kinski manchmal auch Liebeseinheiten
Bild 4: So sieht übrigens eine völlig unbearbeite Musikspur im Rechner aus. Ja, das ist ein Stakeout-Hit








Tag 17 – Gitarren Teil 2
Ein Erlebnisbericht von Sören

Liebste Stakeout – Jünger,

nachdem Daniel wieder einmal schneller als der Blitz war, heißt es also wieder „Ran ans Brett“ für die Gitarristen (ja, das ist verbriefter Musikerjargon). Gesagt, getan.
Als ich frisch erholt von meinem anderen „Hobby“ - der Arbeit - im Studio ankomme, grinst mich auch schon frisch und munter der Herr Produzent an.
Bei soviel positiver Energie wird nicht lange gefackelt und gleich mal der richtige Sound gesucht. Ist ja doch schon eine Weile her, dass der erste Schwung Gitarren für unser Album mit dem eventuellen Titel „Kleine Gruftschlampe“ eingetrümmert wurde und leider haben wir vergessen uns die richtigen Zutaten zu merken. Also, noch mal von vorn das Ganze. Was sich aber als glückliche Fügung herausstellt.
Nach einer ganzen Weile und ca. 100 verschiedenen Einstellungen sowie Amps gelingt es uns nämlich, den Sound noch besser und fetter zu machen, als er es beim ersten Mal war.
Nun heißt es den Songs, die bereits vom Schlagzeug und Bass eingespielt wurden, ordentlich Rock einzuhauchen.
Das gelingt mir wie immer hervorragend. Die ganze Vorarbeit bleibt diesmal an mir hängen, da Thomas an diesen ersten drei Tagen jeweils von 10 – 17.00 Uhr als Burger verkleidet Werbezettel verteilt. Erst zum Abend hin erhellt mit seinem Antlitz unsere dunklen Gemüter und guckt was wir da den ganzen Tag so gemacht haben. Und siehe da: Es gefällt.
So geht dieses Spielchen die nächsten zwei Tage weiter. Ich spiele - unterbrochen von diversen Kaffee – und Zigarettenpausen – konsequent mit Witz und Tücke Song um Song ein. Abends feiern wir dann immer unser Tageswerk, bevor ich trunken und mit blutenden Fingerkuppen sowie Lippen glücklich meinen Heimweg antrete.

Bild 1: Ungewöhnliche Songs erfordern ungewöhnliche Einspielmethoden
Bild 2: Thomas noch skeptisch
Bild 3: Ungewöhnlichere Songs erfordern noch ungewöhnlichere Einspielmethoden und vor allem Hilfsmittel ausm Baumarkt
Bild 4: Thomas frohlockt und drückt seine Freude mit einem Stuhltanz aus






Tag 18 & 19 – noch mehr Gitarren
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Freunde, diesmal sind wir irgendwie langsamer als sonst. Aber das ist glaub ich ganz gut. Denn mehr Sorgfalt bedeutet ja auch bessere Songs wie schon ein altes chinesisches Sprichwort besagt. Wir probieren jedenfalls viel aus. Verschiedene Sounds. Verschiedene Rhythmen. Verschiedene Bewegungen. Es geht quasi bei uns zu wie es in jedem Schlafzimmer einer funktionierenden Beziehung zugehen sollte.
Kinskis und meine Beziehung erlitt heute allerdings kurzzeitig einen Bruch. Denn ich habe gestunken. Und das geht ja mal gar nicht. Schuld war eine Geburtstagsparty eines Freundes (mitten unter der Woche!!!) bei der ich in eine kleine Sauferei geraten war. Dummerweise endete diese erst 6.30 Uhr morgens und um 10.00 Uhr war ja bereits Studiozeit angesagt. Just als ich also unserem Produzenten das „Guten-Morgen-Küsschen“ geben wollte, schrie dieser entsetzt auf und meinte „Oho! 1,50m Abstand wären heute angebracht!“ Beschämt wie der Stalker von Christina Aguilera leistete ich dieser Abstandsanweisung folge und kommunizierte nur noch von weiten.
Nichtsdestowenigertrotz war ich in der Lage tolle Gitarrenspuren aufzunehmen, die alles bisher Dagewesene noch mal getoppt haben. Ja, auch so was ist möglich.
Am nächsten Tag lief das Spielchen ähnlich ab. Ich ging frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk und Kinski jubilierte. Anders kann man das nicht beschreiben.
Sören ist dann auf diesen Jubelzug direkt mit aufgesprungen, so dass am Ende allen ganz jubelig war. Vielleicht sollten wir die Platte „Aus den Sümpfen des Enthusiasmus“ nennen.
Ein kleiner Blick noch auf die Studioernährung: Die ist wie immer kerngesund. Chips, Reiswaffeln, Gummibärchen, Schoki, Cola und ab zu mal ein halbes Hähnchen. Mal gucken was die Endjahresuntersuchung beim Doktor unseres Vertrauens so zu Tage fördern wird.
Wir sollten uns selber eine Gefahrenzulage für den Studioaufenthalt auszahlen, denke ich.

Bild 1: Ja, solche Folgen kommen von Mangelernährung
Bild 2: Die bereits erwähnte Mangelernährung
Bild 3: Sören träumt von einer besseren Parallelwelt
Bild 4: Nur so entsteht der perfekte Stakeout Gitarrensound
Bild 5: Hier liegt wohl ein Disput vor
Bild 6: Sören träumt immer noch von einer Parallelwelt









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