AUFNAHMEN "Neues Album" TEIL 2 - Berlin, Dez. 2009


Und hier der zweite Teil (damit die Ladezeiten im Netz nicht eure Geduld und eure Rechner killen).


Tag 20 & 21 – ganz viel Gitarren

Ein Erlebnisbericht von Thomas

Noch immer wird an den Gitarren geschraubt. Noch immer sind Sören und ich voll in Ekstase. Noch immer wechseln wir uns ab, was geniale Einfälle betrifft und noch immer spornen wir uns zu gegenseitigen Höchstleistungen an. Ein Arbeitsteilung, die durchaus Sinn macht und dem neuen STAKEOUT Produkt mit dem Arbeitstitel „Mutti, bitte hol mich aus dem Bordell“ sogar den 1. Platz der dt. Charts einbringen könnte.
Heute und heute geht es darum, viele Overdubs zu spielen. Die Rhythmus-Gitarren sind so weit drin (also das Gitarren-Grundgerüst steht) und jetzt müssen Soli, dritte und vierte Gitarrenspuren (z.B. im Refrain) oder Melodien oder ganz verrückte Geräusche wie Akustik-Gitarren drauf gepackt werden. Dabei geht es naturgemäß immer sehr laut zur Sache (also, generell ist es in einem Studio immer sehr laut), weshalb wir den Machmalyzer erfunden haben.
Im Digitalzeitalter gibt es für alle möglichen Sachen irgendwelche tollen Programme und/oder Effekte, die auf „Lyzer“ enden, aber gar nichts leiser machen! Seit heute nicht mehr.
Besondere Vorkommnisse gibt es keine zu vermelden. Die Katze (aufmerksame Leser werden sich noch erinnern), kommt übrigens wieder regelmäßig zu Besucher und fordert lautstark zweimal täglich was zu Essen ein (die hat scheinbar noch nichts vom Machmalyzer gehört), das freche Ding. Allerdings ist sie immer noch überschüchtern. Einmal angucken reicht und sie sucht sofort das Weite. Bisher haben wir sie deshalb auch noch nicht fotografieren können.
Ein anderes Highlight war, dass Sören heute zweimal schninkeln musste. Er hatte zu viel Rübensaft getrunken.

Bild 1: die Super-Akuste 2000, selbst geschnitzt und verleimt
Bild 2: Sören macht einen Glückshandstand, ...also er versucht es
Bild 3: Wir hatten heute einen Schlafgast. Benni hieß er. Und roch noch schlimmer als Thomas neulich
Bild 4: Foto mit Schlafgast






Tag 22 – weniger Gitarren und mehr Gesang
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Wir nähern uns dem Finale. Also Gitarrentechnisch gesehen. Nur noch ein paar winzige Spürchen werden heute ausgebessert (was mehr als rasant von statten geht) und danach alles für den großen Gesangseinsatz vorbereitet.
Über Nacht war ich noch mal fleißig gewesen (in Berlin ist das eine erlaubte, korrekte grammatische Ausdrucksweise!), um hab wie wilde an den Texten geschraubt, bis sie einigermaßen Durchschnitt erlangt haben.
Mit stolz geschwellter Brust präsentiere ich also meine lyrischen Highlights und ernte begeistertes Nicken. Natürlich hat der Herr Produzent noch Verbesserungsvorschläge zu machen, da die aber alle mehr als sinnvoll sind, einigen wir uns schnell und ballern das neu Erschaffene direkt ins Pult. Ein Song mit dem Arbeitstitel „Eine Revolution“ ist damit schneller im Kasten als ein Marathonlauf dauert. Oder vielleicht eher ein Flug zum Mond.
Bei einem anderen Song fällt auf, dass sich wunderbar ein paar düstere Klavierakkorde ins Gesamtkonstrukt einfügen würden. Und da Multi-Instrumentalist Sören D. damals im Heim auch zu drei Jahren Klavierunterricht gezwungen wurde, haben wir ihn flugs an die schwarzweißen Tasten geschubst und „Spiel, du Sau!“ gerufen. Und siehe da, es kamen ein paar brauchbare Töne heraus. Wahnsinn was bei diesem STAKEOUT so alles geht.
Dann wurde allerdings weiter geträllert und zum Ende des Tages standen dann schon mal drei komplette Gesangsbilder für genau zwei Songs. Für alle, die sich mit Adam Riese auskennen und sich jetzt wundern, denen sei gesagt: Ein Song hat zwei komplett verschiedene Texte bekommen, weil sich das irgendwie angeboten hat und beide gleichlustig sind. Mal gucken wie wir uns dann letztendlich entscheiden.

Bild 1: Gesang, ganz wichtig: immer schön die Arme ausbreiten und möglichst behindert gucken, damit Leidenschaft entsteht
Bild 2: Icke noch am skeptisch sein, ob meiner getanen Arbeit. Kinski sagt: „Mit dem richtigen Effekt kann man das Gekreische eventuell sogar anhören!“
Bild 3: Sören spielt begeistert Klavier. Liegt aber nicht an meiner offenen Hose (die wirklich nicht zum Selbstzweck geöffnet ist)
Bild 4: Die Songliste auf dem Stand von vorgestern






Tag 23 – Gesang
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Heute Morgen aß ich ein Brötchen mit Honig und trank Tee, ebenfalls mit Honig versetzt. Denn: Honig ist gut für die Stimme. Hat mal irgendeiner gesagt. Und wenn ein gewisser irgendeiner was sagt, dann kann man ruhig mal auf den hören.
Und was Gutes für die Stimme zu tun, ist gar nicht verkehrt. Denn im Studio wird die über alle Maßen beansprucht. Viel mehr sogar als bei nem Live-Konzert. Da brüllt man vielleicht maximal 2 Stunden lang alles irgendwie dahin und gut ist. Im Studio singt man über 8 Stunden lang. Immer volle Granate. Jede Zeile bis zu 50 Mal. Und das geht einem nicht nur auf den Sack, sondern auch auf die Bänder. Ergo: Honig rulez.
Meine Stimme hielt jedenfalls; von anfänglichen Brummereien mal abgesehen.
Ich schreie, harmoniere, flüstere und singe mich also weiter durch einen riesigen Wust an Texten, der meinem Hirne entsprungen ist. Dabei kommen dann so geniale Botschaften raus wie „Alle andern sind scheiße außer mir“ oder „Es ist nicht okay, Robbenbabys zu erschlagen!“. Darauf muss man erstmal kommen!
An einer Stelle hab ich dann mit so viel Inbrunst gesungen, dass ich kurzzeitig dachte, ich müsse ohnmächtig werden. Ich hab mich dann aber für ne kurze Pause anstatt fürs Umfallen entschieden. Obwohl ich eigentlich gern mal gewusst hätte, wie es sich so anfühlt, ohnmächtig zu sein. Hat da jemand schon Erfahrungen gesammelt? Schreibt mir!
Die Pausen habe ich genutzt, um weiter über einen passenden Albumtitel nachzudenken. „Musik war ihr Hobby“ oder „Unser zweitbestes Album“ schossen mir in den Sinn. Mal schauen. Die kommen auf jeden Fall erstmal auf unsere Liste.
Gegend Abend wurde es dann plötzlich Abend und Sören schaute noch mal rein. Da er aber irgendwie zu lange gefeiert hat, war er grade mal in der Lage ein paar Fotos zu schießen und verabschiedete sich gleich wieder in Richtung Lummerland.
Als kleines Special für ihn, werde ich später einfach seine sensibelsten Körperregionen mit Honig einschmieren und ihn anschließend ablecken. Das ist ja gut für die Stimme wie wir eingangs gelernt haben.

Bild 1: Icke noch frisch am Fröhlichsein
Bild 2: Mein Einsingplatz. Ganz wichtiges Detail: Das Kissen. Das liegt dort absichtlich, denn genau dort landen irgendwie die Mikrofonschwingungen, die von der Decke abprallen und werden so gedämpft.
Bild 3: Produzent mit Kohle in der Hand. Erst wenn er täglich seine frische Spritze Geld bekommt, fängt er überhaupt an zu arbeiten
Bild 4: Textblatt mit seltsamen Markierungen des Produzenten. Querstriche stehen für „nicht zu gebrauchende Takes“, während vertikale für „könnte man eventuell verwenden“ stehen.
Bild 5: Ich durchs Spiegelglas fotografiert und deshalb kaum erkennbar







Tag 24 & Tag 25 – Gesang again
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Nachdem ich nun mehr oder weniger drei Gesangstage mit mir allein verbracht habe, bequemt sicht heute der Rest der Stakeout Crew ins Studio, um auch mal ein bisschen was zu den Harmonien beizusteuern.
Vorteil für mich, ich kann mich ab und zu mal ein bisschen ausruhen und Dinge tun wie Schwelgen, Lümmeln und Friemeln. Stellt auf jeden Fall eine interessante Abwechslung zum ständigen Rumgebrülle dar, dass wie gestern schon erwähnt, ganz schön anstrengend sein kann. Was vor allem sehr belastend ist, ist die Tatsache, dass man die ganze Zeit so nen schweren Kopfhörer auf der Ommel hat, was einem einerseits ganz schön die Rübe deformiert und andererseits ernsthaft Nackenschmerzen verursacht. Und wenn man mit Kopfhörern auf niest, denkt man es reißt einen gleich das Hirn raus…
Ja ja, das sind alles so Gefahren, denen sich Musiker aussetzen, ohne dass das die Außenwelt jemals mitbekommt. Ich breche hiermit mal eine Lanze und verlange eine Gefahreneinstufung des Musikerberufs ähnlich der der Extremsportler.
Doch genug geklagt, nach wie vor gibt es natürlich viele, viele magische Momente. So wie an Tag 25 als ich gerade einen Song mit dem Arbeitstitel „Satan liebt auch dich“ intoniere.
Genau in dem Moment, wo mir die Zeile „Im Fahrstuhl einen abgedrückt“ über die Lippen kommt, lässt Daniel L. tatsächlich und wahrhaftig einen in Echtzeit im Regieraum fahren. Gedankenübertragung? Seelenverwandtschaft? Außerirdische Mächte? Wir wissen es nicht. Aber zweis ist sicher: 1. Die Vibes stimmen also 2. Keiner von den anderen fand das so lustig wie Daniel.
Nichtsdestowenigertrotz sind ja nun, wie eingangs erwähnt, auch die anderen beiden mit Singen dran. Und was macht Daniel L. als erstes? Er kickt unwissend das Mikrofonschwingunsabsorbierungskissen hinfort. What a jerk! Fällt dummerweise erst auf als Sören am Plärren ist. Also, sollten Schwankungen im Vokalbereich auf der neuen Platte mit dem eventuellen Titel „Butterstulle“ auftauchen, dann wisst ihr an wen ihr die Beschwerde-Mails schicken müsst.
Selbstverständlich enden diese beiden Tage aber sehr versöhnlich und mit großem Happy End und vielen schönen Harmonien. Wir sind dem Ziel wieder ein Stück näher.

Bild 1: Daniel singt wie ein Engelchen, man beachte seine zarte Schnute
Bild 2: Ich drücke Freude aus
Bild 3: Sören singt sich mit weltneuer Technik ein. Durch das sanfte Blasen seines Gliedes dringen warme Lüfte bis zu seinen Stimmbändern durch, wodurch diese sanft und geschmeidig werden.
Bild 4: Daniel und das Kissen des Anstoßes
Bild 5: Ich drücke noch mehr Freude aus
Bild 6: Sören singt ebenfalls wie ein Engel, auch wenn er anfangs mit den Buchstaben auf dem Textblatt nicht so zurecht kommt








Tag 26 & 27 – The Vocal Machines
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Man mag es kaum glauben: Trotz harmonischer Einigkeit sind wir längst noch nicht fertig mit dem Gesinge. Auch an Tag 26 & 27 finden wir uns wieder allesamt im Kinski Noize Studio zu Berlin ein, um weiter an zukünftigen Evergreens zu schrauben. Songs, von denen man noch seinen Urenkeln vorschwärmen kann.
Mittlerweile schleicht sich natürlich auch etwas Routine ein. Ich singe meist erstmal alle Hauptspuren ein, dann kommen die anderen beiden und verschlimmbessern das Ganze. Dann wird einmal kräftig durchgerührt bis alle „Joa, geht so!“ sagen und fertig.
Um aus der Routine auszubrechen erfreuen wir uns also ab und zu mit kleinen Überraschungen. Als ich heute eingesungen habe, haben sich zum Beispiel Sören und Daniel einfach nackig ausgezogen, was mir wiederum ein seriöses Intonieren unmöglich gemacht hat. Revanchiert habe ich mich, in dem ich den beiden in ihren Apfelsaft gestrullt habe, was jetzt zwar nicht direkt ein fröhliches Lachen, aber immerhin komische Gesichter hervorgerufen hat.
Nachdem sich dann alle Gemüter wieder beruhigt haben, sind wir zum obligatorischen Abhören übergegangen. D.h. alle setzen sich im Halbkreis um die Boxen im Regieraum und man lauscht dem was man heute so fabriziert hat. Und siehe da: Ein Raunen ging durch die Menge. Raunen bedeutet immer „Alles gut!“. Oder Zirpen. Schlecht ist, wenn ein Bäucherchen hervorgestoßen wird oder jemand einschläft. Dann heißt es „Noch mal ran!“
War aber nicht so. Deshalb mal wieder herzlichen Glückwunsch an uns selbst für soviel Genialität. Wir sollten unser Album "Die Hansdämpfe aller Gassen" nennen.
 
Bild 1: Während des Einsingens nehme ich manchmal wie ein Chamäleon die Farbe der Umgebung an.
Bild 2: Daniel versucht sich am kleinen ABD und rätselt was das Wort „Integrität“ bedeuten könnte
Bild 3: Unsere lieb gewonnene Erinnerungsliste. Uns ist aufgefallen, dass wir anfangs gar keine Spalte für Gesang eingerichtet haben. Wird jetzt mir roten Kreuzen nachgeholt.
Bild 4: Sören und ich schwer in eine gewisse Materie vertieft
Bild 5: Daniel stößt gleich etwas hervor
Bild 6: Heute waren wieder viele, viele wichtige Leute von Warner, Universal und der EMI da. Aber nicht wegen uns.








Tag 28 & 29 – The Vocal Machines return
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Guess what, party people?! Sind wir a) auf den Malediven b) bei Inges Sparmarkt, um eine Wurstsemmel zu kaufen oder c) immer noch im Studio?
Richtig, heute sind wir ausnahmensweise mal im Studio und singen ein bisschen was für unsere neue Platte mit dem Arbeitstitel "Bückstück" ein. Und was soll ich euch erzählen? Es ist wie die letzten Tage auch. Keine Highlights, keine Lowlights, keine Unfälle, keine Eskapaden, keine Aufreger. Alles wie gehabt, alles wie immer. Fast ein bisschen öde (obwohl das ja im Stakeout Universum eigentlich gar nicht möglich sein sollte).
Doch just in dem Momente als wir dachten, was soll uns jetzt noch stimulieren und aus dem Trott reißen, betritt Tom S., unsere Managerin, das Studio mit einem riesen Paket in der Hand. Und nein, es ist kein Anthrax-Anschlag auf unser Leben, sondern ein ausgesprochen liebevoll gestaltetes Weihnachtspaket von zwei ebenso liebevollen Fans aus dem Süden unseres Landes. Ist das zu fassen? Wir können es zumindest für den Moment nicht fassen und reißen mit riesigen staunenden Augen die geile Gabe auf (geil ist natürlich nicht das passende Wort in diesem Zusammenhang, aber wegen der Alliteration passt es halt so gut). So müssen sich die Berliner damals 1948 bei der Luftbrücke gefühlt haben, wenn wieder die Rosinenbomber kreisten.
Jedenfalls befinden sich darin für jedes Stakeout Mitglied extra mit den Symbolen unserer Erinnerungsliste markierte Päckchen, voller leckerer Naschereien, die wir nun tagtäglich in unsere hungrigen Mäulchen stopfen dürfen. Ein Traum.
Die von dem Zucker verursachten Energieschübe helfen uns außerdem neue Gebiete der Kreativität zu erschließen, weshalb dann auch mal solche poetischen Ergebnisse zwischen den Songs entstehen.

Knospensprung
Seit acht Tagen hast Du mich nicht ge-
grüßt Deinen Besuch hast Du immer aufge-
schoben. Du glaubst nicht, wie mir die feige
Eifersucht keine Ruhe lässt, wie mir das Herz oft
juckt, wenn ich an deinen heftigen Liebes-
verkehr mit der schönen Bäckerstochter Elfriede
Bohrer denke. Am liebsten ließe ich mich dauernd
schlagen vor Eifersucht. Was wollen denn die anderen
Bürsten von Dir? Weißt Du noch, wie wir zusammen im
Mai traumverloren spazieren gingen und so allein im
Walde saßen? Wie Du meine wunderschöne Fot-
ographie betrachtet hast und mich an dein Her-
ze drücktest? Wie Du mit wildem Blicke meine Beine
bewundert hast und ganz plötzlich Deine Arme
ganz weit auseinander machtest und mich so heiß und innig
geküsst hast? Wie Du meine verletzte Seele in Deinem Herzen
versorgt hast? Wie war das so herrlich und schön als der
Wind über die Felder strich und reife Blüten-
samen so langsam und leise an Deinen Füßen
vorbeigeweht sind und gleich dort ein munteres Bächlein ins Tal
hinunterfloss? Ach, könnte ich doch immer mit Dir
gebannt lauschen; dem Zwitschern von
Vögeln, es wäre für mich das Paradies.


Bild 1: Gesichter voll Freude, Überraschung und Joy
Bild 2: Mmh, lecker
Bild 3: Auch Sören ist sehr erfreut und prüft seinen Ich-bin-glücklich-Look in einem Spiegel, der gar nicht da ist
Bild 4: Daniel hat einen Schellenkranz kaputt gemacht. Das bringt sieben Jahre Flaute in der Hose
Bild 5: Sören spuckt in die Mundharmonikas einer Folk-Band, die ebenfalls grad dort aufnimmt
Bild 6: Ach ja, gesungen wurde auch noch








Tag 30 – Und immer noch Gesang
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Heute hab ich den beiden anderen Gesangsmaschinen freigegeben, damit sie einerseits sozialen Tätigkeiten wie Ü-30-jährige Jungfern deflorieren, aber auch privaten Bedürfnissen wie Ü-30-jährige Jungfern deflorieren, nachgehen können. Gedankt haben sie mir diese großzügige Geste, indem sie mir auf meine Tommy Hilfiger Jacke gespuckt haben. Na ja, sei´s drum. Ich bin froh, den heutigen Tag nutzen zu können, um frisch umgeschriebene Texte noch mal mit unserem Produzenten Kinski durchzugehen und eventuelle Verbesserungen zu erzwingen. Klappt auch ganz gut. Wir befruchten uns quasi gegenseitig. Im übertragenen Sinne natürlich.
Ich kritzel die neuen Gedanken noch schnell auf Papier, weil ich mir nüscht, aber auch wirklich nüscht, merken kann (habe mein Gedächtnis vor ein paar Wochen gegen ein Pony mit eingenähter Maschinengewehrtasche getauscht) und hüpfe wie eine Antilope in den Aufnahmeraum.
Und es kommt wie es kommen musste: Alles was meinen formschönen Mund verlässt, ist einfach nur genial. Übergenial möchte ich fast sagen. Sowohl ich, als auch Produzent Kinski sind überrascht, geplättet, euphorisiert. Sollte also aus Stümper Thomas doch noch so was wie in Halbprofi werden? Die Zukunft wird es zeigen…
Thematisch dreht sich heute jedenfalls alles um Trottel und um Menschen, die nicht lustig sind. Ein Metier, in dem sich wohl ein jeder bestens auskennt oder?
Der Tag verlief dank der Abstinenz von Schrummel und Brummel äußerst produktiv. Morgen dürfen sie dann wieder antanzen und ihren Beitrag abliefern. Ich bin gespannt wie meine Haut in der minus 12 Grad kalten Winterluft. Petrus, du bis echt ein A-loch….

Bild 1: Ratlosigkeit
Bild 2: Genervtheit
Bild 3: Der Produzent hat eine Idee und skizziert einen Entwurf
Bild 4: Icke voll euphorisch am Idee übernehmen und erweitern
Bild 5: Ergebnis







Tag 31 – ein bisschen Gitarren, ein bisschen Bass und viel Diskussion
Ein Erlebnisbericht von Thomas (weil der Rest wieder Mal zu faul ist)

Leute, nach dem vielen Gesinge der letzten Tage, ist uns heute mal wieder ein bisschen nach Abwechslung zu Mute. Wenn man die Songs immer und immer wieder hört, fallen einem nämlich doch ein paar Sachen auf, die gar nicht so optimal sind. Bzw. die güter sein könnten. Oder anders. Oder es fällt einem auf, dass hier und da noch ein bisschen Gitarre fehlt. Oder auch Bass. Und dass manches nach dem zehnten Hören irgendwie schief klingt.
Also, haben wir heute beschlossen, dass wir noch mal einen Saiten-Instrumente-Tag einlegen. Das heißt also Verstärker auf 12, Instrument einstöpseln und noch mal ein bisschen sanft rocken. Wie man das so von STAKEOUT kennt.
Also kommt hier und da noch eine zusätzliche Spure rein. Da was Cleanes, da was Verzerrtes, da ein bisschen Noise, da ein bisschen Mystik und noch eine Prise Fender-Federhall für die eine Bridge, die noch so nackig war. So wursteln wir uns durch ca. 18 Songs. Und das alles mit Zeitdruck im Nacken, denn heute wird das allererste Mal mit der gesamten Truppe (Band + Management) das Erschaffene abgehört. Zwar fehlen immer noch ein paar Gesänge, aber die muss man sich dann eben denken. Der Rest ist nämlich so gut wie fertig.
Gegen 19.00 Uhr klopft es dann auch schon an der Pforte und Hänka, Tom und Ole treten in Erscheinung mit Gesichtsausdrücken die eindeutig zwischen hoher Erwartungshaltung und Suff von gestern liegen. Gespannt versammeln wir uns alle im Regieraum um die Boxentürme herum. Nach und nach wird jeder Song abgefahren (Musiker-Spieke: „Fahr mal ab dit Eisen!“, heißt so viel wie „Bounce mal den Track los!“ oder so) und von den Anwesenden diskutiert. Was ist definitiv scheiße? Was könnte noch besser gemacht werden? Muss man noch mal was umarrangieren? Fehlt hier noch Gesang? Oder ein zusätzliches Geräusch? Was stimmt an der einen Stelle mit den Trommeln nicht? Und ganz wichtig: Welcher Song wäre vielleicht Single-Kandidat?
All das wird mit viel Leidenschaft und noch mehr Alkohol diskutiert und fein säuberlich aufgeschrieben, damit sich am Morgen danach überhaupt noch jemand an das Gesagte erinnern kann.
Am Ende sieht die Liste ungefähr so aus: Fast alles ist bombe, 15 potentielle Single Hits, 3 weirde Albumtracks und ein weiterer Arbeitstitel für die Platte: „Metallica“.
Frohen Mutes fahren wir alle noch auf eine Party, um uns selbst, aber auch andere Menschen zu feiern.

Bild 1: Hochkonzentrierte Arbeitsgruppe
Bild 2: Hänka auf Tuchfühlung
Bild 3: Meinungsaustausch mit Argumentationskette
Bild 4: Daniel´s Scharmhaartoupet…
Bild 5: … jetzt auf´m Kopp
Bild 6: Die Verbesserungs-Liste








Tag 32/33 – wieder Gesang und ein bisschen Cello
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Heute also wieder Singen. Ok für mich, denn meine Stimmbänder halten nach wie vor durch und klingen kraftvoll und vital. Die Honigdiät scheint ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Komische Nebeneffekte sind allerdings Honigduft am ganzen Körper (was Insekten aber zu mögen scheinen) und verschiedene dickflüssige Ausscheidungen, die man sicher direkt wieder aufs Brötchen schmieren könnte. Irre. Ich bin quasi wie Spider-Man. Nur mit Honig.
Die anderen beiden Mitsänger halten übrigens genauso durch. Wir sind so gut wie unkaputtbar. Selbst dieser unglaublich beschissen kalte Winter kann uns nicht umhauen. Auch wenn wir zugeben müssen, dass Temperaturen um die minus 14 Grad nicht gerade zur Förderung der guten Laune beitragen. Als wir anfingen, diese Platte aufzunehmen, hatten wir Anfang Oktober. Da waren die Bäume noch grün und die Luft mit Liebe geschwängert und über 20 Grad warm. Ein Temperaturgefälle von über 30 Grad also. Das sind mal harte Arbeitsbedingungen oder? Jedenfalls führt uns das mal wieder vor Augen, dass wir definitiv pro globale Erwärmung sind. Und dass wir uns schon verdammt lange im Studio befinden. Das nimmt langsame metallicaeske Züge an (deshalb auch der Arbeitstitel gestern. Wobei bei nochmaligem Überlegen und in Anbetracht der Klagewut Lars Ulrichs überlegen wir, ob wir unser Album nicht lieber „In deinem Hintern möchten wir überwintern“ nennen sollten!).
Aber gut Ding will Weile haben, sagt ja schon eine alte Volksweisheit.
Und da wir auch diesmal wieder ein paar Instrumente auf der Platte haben wollen, die wir gar nicht beherrschen, haben wir uns wieder illustre Gäste eingeladen, die den oder anderen Track mit ihrem Können veredeln.
Heute in Gestalt von Daniel B. Seines Zeichens hochbegabter Cello-Spieler. Der gute Mann hat uns schon mal bei der B-Seite „Ein unbedeutender Niemand“ der „Ponys für alle“-Single musikalisch unter die Arme gegriffen, weshalb wir prompt wieder angerufen haben und fragten „Mensch, Daniel. Willst du unsere primitive Stümpermucke wieder auf ein neues Level heben?“ Und er wollte. Auch er quälte sich durch arktische Temperaturen (dafür kriegt Petrus übrigens nen speziellen Rachesong auf der neuen Platte), um dann im Studio aber einen zu fiedeln, dass uns allen ganz warm ums Herz wurde. Wirklich großartig, was dieser Mann geleistet hat. Wir sind immer noch ganz euphorisiert. Mann, wird das gut.
Mit diesem Satz möchte ich auch heute meine Ausführungen schließen.
Mann, wird das gut….

Bild 1: Daniel mit neuem Look. Sören ist schwer begeistert…
Bild 2: … und tut es ihm gleich.
Bild 3: Genauso Kinski.
Bild 4: Ich mache fröhlich glucksend schon mal ein Häkchen beim Cello
Bild 5: Der Messias, die Lichtgestalt, mit Heiligenschein
Bild 6: … in Aktion
Bild 7: Was sollen wir trinken? Schalalalalalalala…








Tag 34 – Gesang again
Ein Erlebnisbericht von Thomas


Wie bereits an anderer Stelle angedeutet, gibt´s auf der neuen LP mit dem Arbeitstitel „Bumsmärchen“ einen Song, der mit Petrus Eskapaden hart ins Gericht geht (Berlin 30cm Neuschnee. Hallo? Geht´s noch?...). Ja, wir haben es getan. Wir haben einen Wettersong geschrieben. Natürlich nicht so primitiv wie all die anderen Bands (vgl. Die Killerpilze, SPN-X oder Rudi Carrell etc.), sondern auf Stakeout-Art, logisch, aber es tauchen eben auch klassische Wörter wie „bombardieren“, „Biergarten“, „Systemgegner“, „deformieren“, „ausrauben“ oder auch „Sonne“ auf. Und das ganze mit ungefähr 1000 Chören. So wie die Beach Boys oder die Beatles einst (wer sich noch erinnert). Soviel „Schalala“ und „Uiuiuiii“ war noch nie auf einem STAKEOUT Lied behaupte ich mal. Das wird ein Hit und unsere Rente sollte damit sicher sein. Also, in unserer Wunschvorstellung…
Wir haben jedenfalls den ganzen Tag gebraucht, um all die vielen Gesangs-Spuren einzuträllern und so harmonisch wie möglich aufeinander abzustimmen. Jeder musste ran und jeder musste noch mal alles geben, was uns als echte Halbprofis mittlerweile natürlich nicht mehr so schwer fällt.
Nebenbei ist „Popzitate in unseren Songs verstecken“ zu unserem neuen Lieblingshobby geworden. Ständig fallen uns Referenzen ein, die wir irgendwo auf dem neuen Album untergebracht werden müssen. Sowohl textlich als auch musikalisch. Das wird ein heiteres „Moment mal, das/den/die kenn ich doch…“, wenn ihr die Platte erstmals auf der heimischen Hi-Fi-Anlage hört. Irre.
Hauptsache es verklagt uns keiner. Dann ist die Rente gleich wieder futsch.

Bild 1: Daniel auf Montage
Bild 2: So sieht man aus, wenn man vorher feiern war und wenn der Spiegelschrank ne Weile nicht geputzt wurde
Bild 3: Sören’s neuester Trend: Ohrenpiercing mit Analpiercing verbinden
Bild 4: wie gesagt: vorher feiern, führt zu solchen Ergebnissen
Bild 5: Daniel´s spezielle Einsingposition







Tag 35/36 – Trompete und Gesang

Ein Erlebnisbericht von Thomas


Es sind wieder interessante Dinge im STAKEOUT Universum passiert. Zum einen beehrte uns heut ein gar wundervoller Mensch namens Tobias Haussig von der allseits bekannten Band „Hans der Kleingärtner“ und zum anderen überraschte uns Sören mit einer neuen Behinderung. Aber der Reihe nach:
Wenn ein STAKEOUT so ein Album aufnimmt, dann denkt er natürlich immer in Wörtern wie pompös, gigantisch, grenzenlos. Will heißen: Wir beschränken uns nicht auf unsere drei popeligen Instrumente, die wir grad so beherrschen, nein, wir wollen mehr. Und nachdem schon ein Cello ein paar unserer Tracks veredelt hat, gab´s auch noch jede Menge Raum für Gebläse. Zum Glück kam es dann über mehrere Ecken dazu, dass besagter Mr. Haussig, Star-Trompeter, fröhlich grinsend unsere bescheidene Bleibe betrat und uns mit seinen Fähigkeiten verzaubert hat. Nach knapp drei Stunden  waren alle Spuren auf Festplatte gebannt und unsere Songs wieder ein Stückchen genialer. Vor lauter Freude haben wir dummerweise vergessen Fotos von ihm zu schießen. Aber wir haben eine Skizze angefertigt.
Eine andere Überraschung hat sich der allseits bekannt und beliebte Sören ausgedacht. Er hat sich einfach an Weihnachten so aufs Schnäuzchen gepackt, dass ihm glatt das Sprunggelenk fast gerissen wäre und er jetzt auf Krücken durch die Gegend humpelt. Was für ein lustiger Anblick. Wir haben ihn direkt für die Winter-Para-Olympics angemeldet. Wir hoffen mal, dass er bis zum ersten Auftritt im neuen Jahr wieder heile ist.
Ansonsten haben wir wieder ein bisschen vor uns hingesungen und ab und zu auch mal geschrieen. Das hat Spaß gemacht. Wir sind übrigens nur noch einen Song von der Vollendung unserer neuen Superplatte mit dem Arbeitstitel „Konfuses für Oma“ entfernt. Finally.

Bild 1: Icke so am Überlegen und Text verändern
Bild 2: Sören gebückt, geschwächt aber voll dabei
Bild 3: Ich mache Purzelbäume wegen der tollen Sounds
Bild 4: Sören mit schmerzverzerrtem Gesicht für das richtige Feeling
Bild 5: Ich teste, ob man mit Krücken tatsächlich leidenschaftlicher singt
Bild 6: Trompeter Skizze








Tag 37 – Finale
Ein Erlebnisbericht von Thomas

Es ist vollbracht liebe Freunde. Am heutigen Tage verweilen wir ein letztes Mal im Studio, um über die entstandenen Werke zu diskutieren, die allerletzten Änderungen vorzunehmen und um dann das finale „Go“ für den Mastering Prozess zu geben (der Part der Plattenaufnahme, wo die Songs quasi so laut gemacht werden, wie ihr sie später aus eurem Kofferradio oder iPod hört).
Natürlich ist Tag 37 ein bisschen gelogen. Denn in Wirklichkeit lagen bis zu dem heutigen Ereignis noch mal ca. 16 andere Tage dazwischen, in denen die Songs abgemischt, teilweise noch mal umarrangiert und neu geschnitten und ein bisschen schöner gemacht wurden. Außerdem war mittendrin noch ein Akkordeon Spieler zu Gast, nämlich der Dawa von den Wallerts (lange hat es gedauert bis dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist) und ich habe noch einen weiteren Song geschrieben. Eine Akustik-Ballade. Und außerdem noch mal eine zweite Textversion von einem bereits bestehenden Song. Ihr seht, es ist viel passiert bis zu „Tag 37“. Aber wir wollten euch die ganzen technischen Feinheiten ersparen, weshalb es jetzt nur noch mal diesen finalen Studiotagebuch-Eintrag gibt.
Noch einmal hat sich die gesammelte Meute im Regieraum versammelt, um sinnvolle und nicht so sinnvolle Tipps Richtung Kinski, unseren lieblichen Produzenten, zu schleudern.
Ein paar davon werden noch umgesetzt, andere gehen im allgemeinen Trubel und in der Heiterkeit unter. Zum Schluss heißt es auf jeden Fall „Prost“ und „Vielen Dank für die wundervolle Zusammenarbeit“ und ein letztes Mal „Wer hat jetzt schon wieder einen abgedrückt?“.
Seit Oktober 09 waren wir nun im Studio. Zwar mit vielen Unterbrechungen, aber letzten Endes eben doch über einen Zeitraum von 6 Monaten. In der Zeit tragen andere Leute ein zweidrittel Kind aus. Das muss man sich mal vorstellen!
Wir vermuten Kinski dürfte recht froh sein, uns jetzt erstmal ne Weile nicht mehr sehen zu müssen.
Na jedenfalls müssten wir jetzt mit allem drum und dran und Special Versionen so um die 20 Songs haben. Interessant wird jetzt, was davon wirklich auf die Platte kommt, wie in welcher Reihenfolge und was vielleicht potentielle Hitsingles sind. Und vor allem wie unser Album, das bisher unter dem Arbeitstitel „Berti Stinkfuß“, bekannt war, heißen wird.
Diskussionsreiche Abende stehen also in STAKEOUT-Hausen an und jeder bastelt schon mal an seinen Argumentationsketten bzw. übt sich im Nahkampf (falls die Argumente doch nicht reichen sollten, gilt bei uns immer noch das Recht des Stärkeren).
Wie es dann letztendlich weitergeht, erfahrt ihr wie gewohnt rechtzeitig in den News.
So far.

Bild 1: Icke so am finalen Überlegen was noch geändert werden müsste
Bild 2: Unzählige Notizzettel (Wort mit Doppel Z) wurden während des Mischens bekritzelt und zitiert bis alles schließlich in Perfektion war
Bild 3: Auch Hänka gibt noch mal ein paar Statements zu den Drums zum Besten
Bild 4: Daniel guckt einfach nur dämlich. Seine neue Spezialität
Bild 5: Zur fortgeschrittenen Stunde wird plötzlich Bier gereicht…
Bild 6: … und niemand konnte sich dagegen wehren. Ein feucht-fröhlicher Abschluss. Klassisch. So schließt sich der Kreis. 















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